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Sascha

 

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Seemannsbegräbnis für eine Landratte

Dienstag, 24. August 2010, wir haben meines Wissens zu Deinen Lebzeiten nur zwei Sätze mit einander gewechselt. Warum ich dennoch bei Deiner Totenfeier anwesend war? Weil ich mich heute als Fahrer für zwei Frauen aus Deinem Leben zu Verfügung gestellt habe und sich ohnehin mit mir nur ein halbes Dutzend Menschen zu Deinen Ehren eingefunden hatte. Niemand aus Deiner Familie war da. Wie kann so etwas geschehen? Die See war heute relativ rau und wir fuhren mit dem schwankenden – oder wie die Seeleute sagen, rollenden - Schiff dem Regen entgegen. Wir hatten schon alle Platz genommen und uns über die jeweils letzte Begegnung mit Dir unterhalten, als ich als erster Deine Sterblichen Überreste auf einer kleinen Kommode entdeckte. Mann hatte Deine Urne mit einem üppigen Blumenstrauß gekrönt, so dass sie nur mit einer Vase verwechselt werden konnte. Einzig ein kleiner Aluminium Deckel aus dem Krematorium, den man gegen diese gelehnt hatte und auf dem Dein Name, Geburtstag, Todestag sowie der Tag der Einäscherung festgehalten war, gab Auskunft über den Inhalt der vermeidlichen Vase. Es war nur diese dreifache Reduzierung eines gesamten Lebens, auf eine Urne, auf drei Daten, auf sechs Menschen, die mich ein wenig traurig stimmte. Auch die sechs Menschen die Dich auf Deinen letzten Weg begleiteten, zwei Alkoholiker die sich nur durch ihre Sucht - die auch Dein Verderbnis war - mit Dir verbunden fühlten, zwei Frauen über fünfzig die wohl einst mit dir das Bett geteilt hatten und zwei Geschäftsleute die vor drei Jahren vergeblich versuchten ein Geschäft mit Dir zu machen, konnten mir kein Bild von Dir vermitteln. Ich ordne mich nebenbei, den zwei Geschäftsleuten zu. Warum war niemand von Deiner Familie anwesend, hattest du Kinder oder Geschwister, wo war Deine Frau, von der ich wusste das sie Existiert?

Als wir nach einer halben Stunde die zur Beisetzung freigegebenen Koordinaten erreicht hatten, stoppten die Maschinen.

Der Kapitän erschien am Heck, spulte mit einer tiefen Stimme und leichter Monotonie eine null-acht-fünfzehn Trauerrede ab, werdend dessen er hin und wieder leicht in die Knie ging um dem - ganz der routinierte Seemann - Seegang entgegen zu wirken. Am Ende ging alles sehr schnell. Der Kapitän schlug drei mahl die Glocke, nach dem er Diene Asche samt biologisch abbaubare Urne und Blumenstrauß an einem Seil zu Wasser gelassen hatte. Offensichtlich war mehr Asche in dem Kübel Urne als ich vermutet hatte, war doch der stramme Bootsmann sehr in die Knie gegangen um diesen über die Reling zu hieven.

Niemand von uns sagte etwas Brauchbares zum Abschied. Die Blumen waren so schnell unter gegangen das man keinen Fixpunkt mehr besaß nachdem das Schief gewendet hatte. Was wohl auch ein erwünschter Aspekt von Seebetastungen ist.  

Also, ruhe in frieden.

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Seinfeld

Montag, 23. August 2010, ich bemühe mich stets, mindestens einmal am Tag, etwas zum Lachen zu finden. Letzt Chance hierzu ist an den meisten Tagen eine meiner liebsten Sitcoms; Seinfeld. Obgleich ich mittlerweile die meisten Folgen gesehen haben müsste, ist diese Serie immer noch ein großer Fundus für Sekunden der Freude.

00:43


Warum nicht bündig?

Sonntag, 22. August 2010, heute Nachmittag meine zweite Wohnung, die sich in einer nicht enden wollende Renovierung befindet, besichtigt. Ein Maler wurde von uns beauftragt, über alle Türrahmen Zierleiste anzubringen. Selbst verständlich gingen wir davon aus, dass der Maler diese Leisten bündig zu den Rahmen anbringt. Versmaß er doch auch zu diesem Zweck, in unserem Beisein, alle Türen der Dreizimmerwohnung.

Warum ich heute über den unterschiedlich breiten Türen immer dieselbe Länge von Leisten vorfand, ist mir unverständlich. Schon wieder verursacht die Stümperei eines Handwerkers unnötige Kosten und eine Verzögerung der Fertigstellung.


Wie verflogen

Samstag, 21. August 2010, kaum wieder im Lande, beginnt meine Motivation zum kreativen zu schrumpfen. Keine Ahnung, woran das liegen mag. Genauso unverständlich ist im Gegenzug das Anschwellen meines Appetits. Habe in den acht Tagen Andalusien, so um die fünf Kilo abgenommen. Also ist durchhalten angesagt, um nicht wieder in die alten Verhaltensmuster zu verfallen. Manchmal denke ich schon ein wenig wehmütig an meine alten MMO-Abende zurück mit jeder menge Vodka, Käse und Palma Salami. Ach ja, Palma Salami!

Stattdessen sitze ich hier mit leicht knurrendem Magen und mühe mich um ein Par Worte ab. Ja die richtigen Wege sind wohl oft die steinigsten.

Vielleicht brachten mich ja nur die Unverfrorenheit eines falschen Freundes, und der Inhalt meines Briefkastens auf den alten Frustpegel, den ich einst nur mit Köstlichkeiten zu senken verstand.

Gestern bis zum Ende, des Konzertes in der gegenüberliegenden Arena - 3:30 Uhr -, wach gelegen. Um 6:00 Uhr aufgestanden, um den 10:30 Uhr Flieger nach HH zu erwischen. Im Flieger viele Touristen, die scheinbar nicht oft fliegen. Applaus beim Start und bei der Landung. Musste beim Einsteigen eine Frau darauf aufmerksam machen, dass sie auf meinen reservierten Fensterplatz saß. Mir wurde mürrisch platzgemacht und mitgeteilt, viel eher da gewesen zu sein.


Ungemütlich

Freitag, 20. August 2010, wieder ein Tag vor der Abreise. Es sind nicht meine liebsten. Mir über den gesamten Tag kleine Aufgaben zugewiesen. Fenster geputzt - mehr schlecht als recht -, Fliesen geschruppt, Wäsche gewaschen und so weiter.

Eine Ungerechtigkeit aus Deutschland schlug mit gegen Mittag auf den Magen. An derlei Brocken werde ich mich nie gewöhnen.  

23:59, Nebenan in der Arena, versuchen sie sich in Rock ´n´ Roll, wird wohl noch zwei bis drei Stunden so weiter gehen. Könnte ohnehin nicht schlaffen, habe noch zwei Maschinendurchhänge.

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Wie ein wilder Stier

Donnerstag, 19. August 2010, obwohl mir natürlich klar war wie es um den Stier stand, euphorisierte mich dieser gigantische Sprung. Hoffte ich doch für Sekunden er würde dem blutrünstigen Mopp entkommen. Selbstverständlich habe ich auch noch Mitleid für die verletzten Menschen übrig, besonders für die Kinder, aber der Stierkampf ist ein blutiges Geschäft und warum sollen immer nur die Stiere bluten. Hundert Meter Luftlinie von unserem Appartement befindet sich eine Stierkampfarena doch ich habe diese noch nie betreten. Hin und wieder höre ich die Begeisterungsschreie der in diesen Momenten mir so fremden Spanier.


Laufzettel

Dienstag, 18. August 2010, wie sich zeigte war die Behördenstelle wirklich nicht nur wenige Schritte entfernt. Doch meine Freude darüber, meine Füße schonen zu können, war zu vorschnell.

Ganz der wohlerzogene Deutsche, reite ich mich bei einer Schlange ein, die sich vor der Information gebildet hatte, bis ich nach zwei Minuten bemerkte das sich die dort Eingefundenen nicht informierten sondern schlicht unterhielten. Selbst wenn es mir gelingen sollte eines Tages ganz passabel Spanisch zu sprechen, werde ich vor derlei Peinlichkeiten  nicht völlig sicher sein, da mir die Spanier einfach zu schnell, zu laut und viel zu sehr durcheinander reden. Es scheint, dass es für den Spanier überhaupt kein Problem darstellt mehreren Rednern zu folgen währenddessen er seine eigenen Gedanken lautstark dem Stimmengewirr hinzufügt. Gerne macht dies der gemeine Spanier auch in Ein,- und Ausgängen, so das man sich als überforderter Deutscher an den zudem noch wild gestikulierenden vorbei schlängeln muss.

Schließlich fand ich die für mich zuständige Beamtin und staunte nicht schlecht, als diese aus einem rispigen Stapel Schriftstücke zielsicher, das für mich bereitliegende hervor zog. Zunächst dachte ich es würde sich bei diesem um ein einfaches Überweisungsformular handeln, doch ich wurde – auf Englisch – darüber informiert mit diesem Schreiben eine vorgegebene Bank aufzusuchen um den gigantischen Betrag von 17,50 € zu entrichten. Dabei handelte es sich um eine Abwasserentsorgungspauschale die von allen Einwohnern des kleinen Dorfes nachträglich mit den ominösen Zetteln eingefordert worden war. Warum sich das alles so kompliziert gestaltete, habe ich immer noch nicht verstanden.

Doch es sollte noch einwenig komplizierter werden.

Nach dem ich die vorgegebene Bank gefunden hatte und so um die zehn Minuten angestanden war, erklärte mir die Kassiererin das man mir wohl beim Amt einen zweiten Zettel vorenthalten hatte und das es ihr nicht möglich sei ohne diesen Geld von mir anzunehmen. So bin ich den wieder, noch ein wenig verwirrter, zum Amt gelatscht. Dort sagte mir ein anderer Beamter mit besseren Englischkenntnissen, dass die Kassiererin einen Fehler gemacht hätte und dass es diesen zweiten Zettel schon lange nicht mehr gäbe. Wieder bei der Bank und weiteren Minuten des Anstehens, wiederholte ich das mir mitgeteilte etwas energisch in Erwartung noch energischer werden zu müssen um endlich diese 17,50 € zu entrichten, ja wäre beinahe sogar bereit gewesen mich ein wenig mit meinen schlechten Spanisch zu blamieren, als die Kassieren mir endlich diesen verfluchten von meinen Schweiß aufgeweicht Zettel mit einem kurzen OK abnahm. Für dieses OK bin ich mindestens fünfzehn Kilometer mit meinen geschundenen Füßen gelaufen.

Sorry an denjenigen der sich bis zum Schluss dieses belanglosen Textes gequält hat, aber irgendwo musste ich das heute erlebte deponieren.


Nichts Schlimmes

Dienstag, 17. August 2010, Maria entwarnte. Konnte mit einer, von Stadtverwaltung unter meiner Tür hindurch geschobenen, Mitteilungen nichts anfangen. Diese Mitteilung war nur mit einem Aktenzeichen gekennzeichnet gefolgt von der Aufforderung anzurufen oder vorstellig zu werden. Wie sich heute herausstellte eine Bagatelle und dennoch, obwohl ich die Gewissheit besaß alles bezahlt zuhaben, beunruhigte uns dieses Schreiben sehr. Nach all den kotzenden Pferden die wir bisher gesehen haben. …. Warum dieses Schreiben nicht von der Post zugestellt wurde, war selbst der einheimischen Maria ein Rätsel. Andere Länder andere Sitten. Morgen werde ich mich auf die Suche machen dieser Behördenstelle machen die sich hier ganz in der Nähe befinden soll. Hoffentlich!

Heute das Apartment nicht verlassen. Faul und immer noch Fußlahm.


Plattfuß

Montag, 16. August 2010, in der Nacht von Sonntag auf Montag - schätzungsweise gegen 23:00 Uhr - wurde aus einen mir immer noch unbekannten Grund dem ganzen Haus das Wasser abgedreht. Woher ich der Einsiedler, wusste das auch bei den Nachbarn die Wasserhähne trocken bleiben? Weil in einem so großen Haus immer irgendwo eine Klospülung betätigt wird, egal zu welcher Tageszeit – oft ist die Verdauung meiner Hausgenossen der einzige Nachweis ihrer Existenz, wenn nicht grade meine psychotische Nachbarin einen ihrer schlechten Tage hat. Schon komisch zwei Psychoparten Tür an Tür. Manchmal habe ich schon erwogen an ihre Tür zu klopfen und meine Psychose auf ihre zu hetzen, nur um zusehen welche die bissigere ist.

Das Wasser lief wieder gegen 10:00 Uhr womit die vertraute akustische Kulisse wiederhergestellt war.

Mir machen immer noch meine Füße zuschaffen. Zum Supermarkt in Schlappen und Socken gewatschelt, wie ein blöder Tourist.

Beunruhigende Nachrichten von Maria, morgen mehr dazu.

00:42


Fußlahm

Sonntag, 15. August 2010, arbeite seit zwei Tagen wieder einmal an meiner Homepage. Einige unfertige Seiten, die fertig zustellen unmöglich geworden war, gelöscht. Mein Vorhaben vom letzten Donnerstag, - dem Tag meiner Anreise - eine neue Homepage zu entwerfen habe ich verworfen. Zu viel Arbeit in die alte Seite investiert. Bei all dem Umgestallten vergesse ich hin und wieder das mein Blog vom schreiben lebt. Werde ich irgendwann ständig schreiben können ohne mir selbst die Motivation zu stehlen. Einfach schreiben ohne zu fragen für wen oder wozu. Die Einträge der vergangenen Jahre haben bisher nur mein Scheitern dokumentiert.

Meine Füße machten mir heute, nach meinen gestrigen Marsch zur Reinigung, zuschaffen

12:36


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